normale Schrift einschaltengroße Schrift einschaltensehr große Schrift einschalten
     +++  Guter Start im Testzentrum in Warin  +++     
     +++  Mitteilung der Stadt Neukloster  +++     
     +++  Stadtbibliothek und Corona-Auflagen!  +++     
 

Havarie am Wehr an der Mühle

Lage bei der Ankunft

"Hilfeleistung Wasser – Betonklotz unterspült"

... mit dieser schlichten nicht vielsagenden Alarmmeldung begann am 23.07.2020 um 18:09 Uhr der Einsatz für die FF Warin. Ein Einsatz, der sich noch lange in das Gedächtnis einbrennen wird, ein Einsatz getreu dem Motto „Einsatzlagen die es so nicht gibt“ und die auf keinem Lehrgang ausgebildet werden.

Doch was war passiert? An der Brücke über die B 192 stellte der Stauwärter eine ungewöhnlich hohe Fließgeschwindigkeit des Baches fest. Im Bereich des Wehrs neben der 2014 neu geschaffenen Fischtreppe kam es zu einer massiven Unterspülung der Betonsohle. Das Wasser schoss unkontrolliert vom Wariner See in den Glammsee. Der Pegelstand im Wariner Mühlengraben sank rapide, der Wariner See drohte leerzulaufen! Nach Rücksprache mit der Leitstelle Westmecklenburg wurde der Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes Hr. Haug sowie der Kreiswehrführer alarmiert. Der st. Amtswehrführer war bereits auf Anfahrt. Die Feuerwehr begann zunächst mit der Absperrung der Einsatzstelle im Bereich der Brücke über die Bundesstraße B192, der einzigen Verbindung von einer Seite der Stadt zur anderen.

Zwischenzeitlich traf auch die Geschäftsführerin des Wasser– und Bodenverbandes „Obere Warnow“ an der Einsatzstelle ein. Eilig wurden erste Big Bag´s, Kies, Teleskoplader, Radlader und LKW von Firmen und Landwirten aus der Region organisiert. Die Big Bag´s wurden gefüllt und zunächst auf der vom Sog abgewandten Seite eingebracht und ein Damm wurde errichtet. Ziel war es die Strömung und den Durchfluss zu minimieren, als dies erste Wirkung zeigte, reifte der Entschluss Big Bag´s an der Stelle des Sog´s zu errichten. So sollte das „Leck“ abgedichtet und der Wasserstand wieder angestaut werden, doch die Strömung war so stark, dass der erste Big Bag einfach weggespült wurde und der Strudel immer größer wurde.

 Also musste weiterhin der provisorische Damm stabilisiert werden, weitere Big Bag´s aber auch große Heuballen und Betonplatten wurden herbeigeschafft und zur Stabilisierung des Dammes verwendet. Dies zeigte auch Wirkung, der Pegelstieg langsam wieder an, die Sohle am Wehr wurde aber immer noch massiv unterspült.

Ab 22Uhr ca. konzentrierte man sich dann auf die Arbeiten am Wehr. Big Bag´s und Heu und am Ende drei große Laster mit Ziegelbruch führten dazu, dass die Sohle nicht noch weiterer abgebrochen wurde und die Struktur erhalten blieb. Gegen 23:30Uhr begann eine hinzugezogene Fachfirma mit der Errichtung eines Staudamms ca. 200m Flussaufwärts um weiteren Druck von der Einsatzstelle zu nehmen. Gegen 0:00Uhr entschied die Einsatzleitung, dass der Fachberater des THW hinzugezogen wird. Auch eine Wasserbaufirma aus dem benachbarten Neukloster wurde hinzugezogen. Als sich die Situation dann ab 01:00Uhr etwas entspannte, wurden erste Kräfte der FF Warin sowie die ebenfalls kurz nach Alarmierung hinzugezogenen Kräfte der FF Jesendorf (Unterstützung Sandsack befüllen) aus dem Einsatz herausgelöst.

In Absprache mit Fachberater des THW wurde entschieden, dass die THW Ortsgruppen aus Wismar und Schwerin am nächsten Morgen zur Einsatzstelle alarmiert werden und so blieb in der Nacht nur die Kontrolle der provisorischen Dämme und Sperren.

Am nächsten Morgen um 07:45Uhr, das THW Wismar sowie Schwerin war mittlerweile mit 26 Leuten vor Ort, gab es eine weitere Lagebesprechung aus Feuerwehr, THW, Wasserbaufirma, Wasser-und Bodenverband, Straßenbauamt und Ordnungsamt. An dessen Ende die Entscheidung stand, den provisorischen Damm an der Brücke sowie 200m flussaufwärts weiter zu stabilisieren und den Pegel im Wariner See anzustauen, sodass ein Zwischenbecken entstand, das Wasser aus dem Bereich zwischen den beiden Dämmen sollte das THW dann mit ihren Pumpen (5000l/min) abpumpen und über einen Bypass an der Brücke vorbei leiten. Ziel war, dass der Wasserbauer einen Brückendurchlas komplett mit Holzverschlag und Sandsäcken absperrt und durch den zweiten ein großes System aus Rohren schaffen kann, um so das Wasser abfließen und die Arbeiten an Brücke und Wehr zu ermöglichen.

Da die Kräfteanzahl mittlerweile so hoch war, dass die am Versorgung durch das Provisorium vom Vortag nicht mehr gedeckt war, wurde der Betreuungszug des LK NWM (Malteser Hilfsdienst) alarmiert.

Um 10Uhr am Donnerstag nahmen dann die Pumpen des THW ihre Arbeit auf, der Wasserbauer konnte nun mit den abschließenden Maßnahmen beginnen. Gegen 18:30Uhr konnte dann das THW mit dem Abbau der ersten Schlauchleitungen und Pumpen beginnen, weitere Sandsäcke wurden zur Stabilisierung der Brückensperrung und des neuen Durchlasses verbaut. Das Rohrsystem war fertig gestellt und nun konnte der Pegelstand langsam wieder steigen. Als dann 20Uhr das erste Wasser durch die Rohre floss herrschte bei allen Beteiligten Erleichterung. Die endgültigen Rückbauarbeiten für die Feuerwehr und THW konnten beginnen, sodass der Einsatzleiter die Einsatzstelle um 21Uhr, als fast 27 Stunden nach Alarm, an die Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes übergeben konnte. Mit einigen Nacharbeiten im Gerätehaus war der Einsatz dann um 22Uhr beendet.

Die Bundesstraße B192 blieb im Zuge der gesamten Arbeiten und noch bis zur endgültigen Freigabe durch das Straßenbauamt vollgesperrt, da die Brücke in Warin die einzige Möglichkeit ist den Ort zu passieren, mussten Autofahrer nun eine Umleitung von 30km in Kauf nehmen.

 

  • Im Einsatz waren:
  • FF Warin mit KdoW , DLAK 23/12; TLF 3000; HLF und 19 Kamerad_innen
  • FF Jesendorf mit HLF 10 und MTW mit 9 Kameraden
  • Amtswehrführer, ste. Amtswehrführer, Kreiswehrführer und Leiter Brand-und Katastrophenschutz NWM,
  • Betreuungszug LK NWM (Malteser Hilfsdienst)
  • THW Ortsgruppe HWI
  • THW Ortsgruppe SN
  • Fachberater THW
  • Wasserbaufirma Brüsewitz
  • Firma Hoff (Wasserbau) aus Brüel
  • Straßenbauamt, Wasser – und Bodenverband, Eurawasser (Wasserversorger –sämtliche Versorgungsleitungen verlaufen unter der Brücke hindurch), EON Hanse Gas, WEMAG, STALU
  • Anglerverein (retteten spontan die Fische aus der leergelaufenen Fischtreppe)
  • Freiwillige Helfer von Firmen und Landwirten aus der Region mit Technik und Personal

 

Am Ende war ca. 90 Leute über die Gesamte Einsatzdauer am Einsatzgeschehen beteiligt.

Torsten Ries

Viele Helfer
Barriere Nacht
Rohre3
Heuballen2
THW 2
Heuballen2
Luftbild